An der Spitze ist es einsam – oder: Warum Männer an der Spitze wandern


Männer führen durchschnittlich 80 Prozent aller Wandergruppen an. Die Frauen folgen mit einigen Schritten Abstand. Vor allem in gemischten Wandergruppen ist dieses Phänomen sehr häufig zu beobachten. Mit der Frage, warum Männer an der Spitze wandern müssen, hat sich der Schriftsteller und Diplom-Geograf Walter Schmidt kürzlich auseinandergesetzt. Quelle Bild: www.bilderbox.com

Unterschiedliche Ursachen

Warum Männer an der Spitze von gemischten Gruppen wandern, hat unterschiedliche Ursachen. Die naheliegende Erklärung für das Wandern der Männer an der Spitze ist das unterschiedliche Schritttempo im Zusammenhang mit der durchschnittlichen Schrittlänge. Das heißt, Männer wandern durchschnittlich 5,1 Kilometer in der Stunde, während Frauen nur mit 4,6 km/h unterwegs sind. Da also in einer gemischten Gruppe unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Wandern zwischen Männern und Frauen erreicht werden, ist das Überholen langsamerer Wanderer sinnvoll, damit nicht die gesamte Wandergruppe ins Stocken gerät.

Die zweite Erklärung von Schmidt ist, dass Männer zielgerichtet wandern. Diese These bezieht sich auf die Erkenntnis des Evolutionspsychologen Harald Euler. Er will herausgefunden haben, dass Männer konzentrierter wandern, damit sie das Ziel so schnell wie möglich erreichen. Das heißt, nach Euler wandern Männer eher ergebnisorientiert, während sich Frauen beim Wandern eher von dem, was sich links und rechts des Weges befindet, ablenken lassen.

Die dritte Erklärung sieht Schmidt in der Gesprächigkeit oder viel mehr in der mangelnden Gesprächigkeit der Männer beim Wandern. Während sich nach Euler die Männer auf das Ziel konzentrieren (müssen), nutzen Frauen das Wandern u.a. auch als willkommenen Anlass, um sich miteinander zu unterhalten.

Die Gene müssen als vierte Ursache herhalten. Männer übernehmen beim Wandern gern die potenziell gefährliche Aufklärungsposition. Dieses Verhalten kann man bereits bei Kleinkindern im Alter von 13 Monaten beobachten. Demnach krabbeln schon Jungen risikofreudiger als Mädchen.

Orientierungslosigkeit

Wenn es aber um die Orientierung beim Wandern geht, scheinen Männer im Vergleich zu Frauen zu schwächeln. Männer neigen öfters dazu – trotz technischer Hilfsmittel wie GPS oder Kartenmaterial – einen Weg beizubehalten, auch wenn sie sich verirrt haben. Nur die wenigsten Männer können sich dies vor anderen eingestehen. Insofern scheinen Frauen ein besseres Ortsgedächtnis zu haben.

Frauen werden daher als Landmarken-Wanderer bezeichnet. Das heißt, beim Wandern können sie sich besonders gut markante Punkte in der Umgebung merken. Auch dies ist ein Überbleibsel aus unserer Evolution, denn diese Fähigkeit hilft auch gut, Stellen für Pilze und Beeren leichter wiederzufinden.

Haben sich Frauen verirrt, fällt es ihnen leichter, nach dem Weg zu fragen und den Rat Ortskundiger anzunehmen, während die Männer der Spitze immer noch nach einem Netz für aktuelle GPS-Koordinaten suchen.