Diagnose Psychose – trotzdem arbeiten?


Alleine in Deutschland leiden rund 6,5 Millionen Menschen an schweren psychischen Erkrankungen wie einer Psychose, chronischen Depressionen und Angststörungen und viele von ihnen würden gerne arbeiten, finden aber keine Vollzeitstelle. Dabei sind sich Experten darüber einig, dass in vielen Fällen eine regelmäßige Arbeit beim Umgang mit eine Psychose helfen kann. Quelle Bild: Uta Herbert  / pixelio.de

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde spricht in ihrer neuen Leitlinie für psychosoziale Therapien davon, dass Arbeit sich positiv auf Menschen mit psychischem Erkrankungen wie einer Psychose auswirken kann. Doch an Arbeitsplätzen für Betroffene mangelt es weltweit. Dirk Richter ist Medizinsoziologe und erklärt, dass sich Psychiatrien zwar geöffnet haben und mit Tageskliniken und Wohngruppen ein offenes Betreuungsangebot bereitstellen, dass die Integration von Betroffenen in die Berufswelt jedoch in vielen Fällen noch scheitert. In Deutschland beispielsweise ist etwa ein Prozent der Bevölkerung von einer Psychose betroffen und nur wenige haben eine Vollzeitstelle oder eine Arbeit, die ihren Fähigkeiten entspricht.

Studie zur Bedeutung von Arbeit bei einer Psychose
Elyn Saks ist Psychologin in den USA und hat eine Studie mit betroffenen Patienten durchgeführt. Hierbei ging es der Forscherin um den Einfluss, den Arbeit im Leben von Betroffenen einer Psychose hat. Eine Psychose ist für die meisten Menschen die am wenigsten einzuschätzende psychische Erkrankung und viele Betroffene gehen keiner regelmäßigen Arbeit nach. Die Amerikanerin Elyn Saks leidet selbst an einer Psychose und hat sich ihren Werdegang laut eigener Aussage entgegen den Rat ihrer Ärzte hart erarbeiten müssen. Sie berichtet jedoch auch, dass ihre wissenschaftliche Arbeit ihr dabei hilft, mit der Psychose zu leben. Der Wissenschaftler Georg Schomerus von der Uni Greifswald erklärt die Skepsis vieler Arbeitgeber gegenüber Bewerbern mit einer Psychose damit, dass viele Menschen die Auswirkungen nicht einschätzen können. Er spricht von einem Stigma, dass der Psychose anhaftet und es Betroffenen schwer macht, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Hier fordern viele verschiedene Psychologen, Psychiater und Forscher eine Aufklärung der Allgemeinheit und eine Öffnung.