Arbeitssucht – ein Leben für die Arbeit

Im Volksmund werden sie Workaholics genannt, doch hinter dem neumodischen Namen stehen oft persönliche Schicksale. Wenn sich das Leben nur noch um die Arbeit dreht und es kaum Erholungsphasen gibt, dann sprechen Experten von einer Arbeitssucht. Quelle Bild: www.bilderbox.com

Stefan Poppelreuter ist ein Arbeitspsychologe aus Bonn und schätzt, dass etwa jeder Siebte gefährdet ist, der Arbeitssucht zu verfallen. Er geht davon aus, dass derzeit rund 400.000 Menschen in Deutschland unter einer Arbeitssucht leiden. Diese zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Betroffenen deutlich länger arbeiten, als von ihnen erwartet wird. Unbezahlte Überstunden, Arbeit am Wochenende und durchgearbeitete Pausen gehören dabei zur Tagesordnung. Auch nach Feierabend, an Wochenenden und im Urlaub denken Betroffene von Arbeitssucht ständig an die Arbeit und können dadurch ihre freie Zeit nicht zur Erholung und Regeneration nutzen. Sie benötigen permanent das Gefühl, produktiv zu sein und finden das häufig nur noch in der Arbeit. Kann ein Betroffener der Arbeitssucht aufgrund eines Feiertags nicht arbeiten, dann stellt sich schnell ein ruheloses Gefühl ein. Dieses für die Arbeitssucht typische Verhalten hat weitreichende Folgen, erklärt die Arbeitspsychologin Marianne Resch von der Universität in Flensburg. So klagen Betroffene der Arbeitssucht häufig über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Magenreizungen.

Hilfe bei Arbeitssucht
Sobald Betroffene sich ihre Arbeitssucht selbst bewusst gemacht haben, sollten Freunde und die Familie eingeweiht werden. Diese wurden in der Vergangenheit häufig vernachlässigt, können im Heilungsprozess aber eine wichtige Rolle einnehmen und den Betroffenen unterstützen. Der Arbeitspsychologe Poppelreuter rät Betroffenen von Arbeitssucht außerdem dazu, zunächst einen langen Urlaub zu nehmen und die Akkus wieder aufzuladen. Anschließend müsse Schritt für Schritt wieder ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit geschaffen werden. Dabei hilft es, private Termine wichtig zu nehmen und sie nicht mehr aufgrund von zu viel Arbeit abzusagen. Auch Freizeitaktivitäten im Team können dabei helfen, nach Feierabend abzuschalten und die Arbeit einmal Arbeit sein zu lassen.