Enkel tragen Erbgut von psychisch belasteten Großeltern in sich

Dass die Ursachen psychischer Erkrankungen in der Vergangenheit liegen, ist keine neue Erkenntnis. Neu ist, dass das Erbgut der Enkel die Spuren der Großeltern trägt. Quelle Bild: www.bilderbox.com

Studie untersucht Erbgut bei Mäusen
Ein Forscherteam von der in Atlanta ansässigen Emory University School of Medicine hat kürzlich nachgewiesen, dass sich das Erbgut verändert, wenn starke psychische Belastungen vorliegen und haben dazu zentrale Nervenstrukturen und das Verhalten von Mäusen untersucht. Um psychische Belastungen zu simulieren, wurden die Mäuse Elektroschocks ausgesetzt, sobald ihnen der Geruch von Acetophenon vorgesetzt wurde. Nach diesem künstlich angelernten Verhalten zeigten die Mäuse ein Zurückzucken, sobald sie Acetophenon rochen. Auch die Nachfolgegeneration der Versuchsmäuse und sogar deren Nachkommen legten ein ähnliches Verhalten beim Geruch von Acetophenon an den Tag, obwohl sie nie mit Elektroschocks in Berührung kamen. Die Forscher erklären dieses Verhalten damit, dass die Generation der Großeltern bei den Mäusen durch das Erbgut eine genetische Veränderung bis an die Enkel weitergegeben hat. Im Bereich des Geruchskortex konnte bei den Großeltern, den Kindern und den Enkeln eine neuroanatomische Veränderung im Erbgut durch die Forscher nachgewiesen werden.

Was bedeuten diese Veränderungen im Erbgut?
Diese Studie aus den USA wirft neue Fragen in der Psychologie auf, die sich mit der Ursachenforschung von psychischen Erkrankungen befasst. Hierbei geht es in erster Linie um die Psychotherapie. Zwar wurde schon immer auch die Vergangenheit der Patienten beleuchtet und in einer Therapie berücksichtigt, doch sollten die Erkenntnisse über das Erbgut aus der Studie mit Mäusen auch auf das Erbgut des Menschen zutreffen, dann sind zukünftig nicht mehr nur die Patienten selbst, sondern auch ihre Eltern und Großeltern teil der Ursachenforschung. Das amerikanische Forscherteam hat die Veränderungen im Erbgut bisher nur bei Mäusen untersucht. Weitere Erkenntnisse zum Erbgut des Menschen und der möglichen Vererbung einer durch psychische Belastungen ausgelösten Veränderung können nur weitere Studien bringen.