Hirnforschung: Gierige Menschen neigen zu riskantem Verhalten


Gierige Menschen neigen zu riskantem Verhalten, heißt es …
Aufgrund der Finanzkrise sind Forscher einer ganz wichtigen Frage nachgegangen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Gier und einem daraus resultierenden riskanten Verhalten?

Lässt die Aussicht auf einen bevorstehenden Geldsegen Menschen unvorsichtig werden?

Einer neuen aktuellen Studie zufolge neigen besonders Menschen, die gierig sind, zu riskantem Verhalten. Leider lernen sie zudem auch oft nicht aus ihren Fehlern. Der Würzburger Professor Johannes Hewig hat es sich zusammen mit einer Gruppe von Hirnforschern zur Aufgabe gemacht, nach der Finanzkrise einen Zusammenhang von Gier als hervorstechendes Persönlichkeitsmerkmal zu finden. Inwieweit kommt hier riskantes Verhalten zum Tragen? Zu Beginn haben die Psychologen an der Universität Würzburg mit Zuhilfenahme eines Fragebogens die 20 als gierig eingestuften  studierenden Probanden herausgefiltert. Wenn wir einmal überlegen, wodurch sich eine gierige Person auszeichnet, finden wir in dieser Definition eine Bereitschaft, die das Streben hat, auf Kosten anderer noch mehr zu erlangen. Das bestätigt der Psychologe Patrick Mussel vom Lehrstuhl für Psychologie I. Als Nächstes untersuchten die Wissenschaftler, ob es einen Zusammenhang von Gier und Risikoverhalten gibt. Die Probanden mussten zu diesem Test an einem Bildschirm einen Ballon virtueller Art möglichst weit aufpumpen. Das Ziel bestand darin, den Ballon möglichst prall werden zu lassen, denn umso größer war der Gewinn – platzte der Ballon, hatten sie verloren.

Klar hat sich, wie erwartet, ergeben, dass besonders gierige Personen den Ballon viel weiter aufpumpten, als es bei Personen der Fall war, die einen eher niedrigen Wert auf Gier hatten, meinte Mussel. Es habe also anhand der Persönlichkeitsmerkmale in puncto Gier vorhergesagt werden können, welche jeweilige Risikoneigung vorlag. Hier galt das besondere Augenmerk dem Effekt, bei dem sich die Probanden zuvor mit einer Biografie von einer gierigen Person beschäftigt hatten. Sogenannte neuronale Prozesse der Probanden stehen hier im Vordergrund, die bei dieser Studie mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) herausgekommen sind. Interessante Ergebnisse sind zutage getreten. Wie im sogenannten Normalfall meldet das Gehirn einem normalen Probanden beispielsweise, dass der Ballon geplatzt ist. Daher konnte dieser besser damit umgehen, als Personen, deren Gier nicht gestillt werden konnte. Ebenso hatten sich normale Testpersonen mehr über ein gutes Ergebnis freuen können, als es bei den gierigen Probanden der Fall war. Gierige Versuchspersonen zeigten stets eine gleiche Hirnaktivität auf, unabhängig davon, ob sie einen Erfolg verzeichnen konnten oder nicht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen normalerweise aus ihren Fehlern lernen und ihr Verhalten dementsprechend anpassen, doch bei den Personen mit der großen Gier fehlt anscheinend diese Reaktion.

Fazit: Somit gilt es als bewiesen, dass riskantes Verhalten durch gieriges Verlangen beeinflusst wird. Dieser Effekt ist dann besonders stark, wenn die Gier zuvor auch noch aktiviert wurde. Solche beschriebenen aktivierenden Einflüsse haben eventuell hohe Boni auf finanzielle Erfolge bei Managern als Folge, so die Wissenschaftler. Die Würzburger Forschungsgruppe macht weiter und nimmt sich jetzt auch Investmentbanker vor.