Lächeln kann in der Psyche nur eine Fassade darstellen


Wir kennen es von anderen Personen, aber auch von uns selbst: Wir lächeln mit dem Mund, doch die Augen bleiben kalt oder desinteressiert. Diese gespielte Freundlichkeit begegnet uns jeden Tag beispielsweise im Kaufhaus, im Supermarkt oder auf der Straße. Wir versuchen ein freundliches Lächeln, wenn wir im Kundengespräch sind oder einem weniger geliebten Kollegen auf der Straße begegnen. Mit dieser gespielten Freundlichkeit täuschen wir Gefühlen vor, die weit entfernt von unseren tatsächlichen Empfindungen sind. Wer in seinem Beruf immer freundlich sein muss, unterdrückt seine tatsächlichen Gefühle. Auf die Dauer kann dies nicht gut gehen, denn auch emotionale Anforderungen belasten unsere Psyche. Erst ist diese Belastung für uns nicht einzustufen. Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Beklemmungsgefühle sowie Nervosität sind erste Anzeichen, dass die gespielte Freundlichkeit, auch Heuchelei genannt, unsere Psyche auf den Prüfstand stellt.

Portrait of happy smiling brunette businesswoman in glasses, over grey background

Gefühlslage

Problematisch wird es auch, wenn wir freundlich sein und lächeln müssen, auch unsere Gefühlslage ein ganz andere ist. Im Gegensatz zu Männern zeigen Frauen ihre Emotionen viel deutlichen. Echte Gefühle kann man auf Dauer nicht hinter einer freundlichen Fassade verstecken; das hält die menschliche Psyche nicht lange durch.

Ratgeber

Viele Ratgeber informieren uns, wie wir uns beispielsweise bei einem Bewerbungsgespräch zu verhalten haben. Hier sollte man nicht zu oft lächeln, das wirkt gekünstelt. Im Grunde ist jeder bei einem Bewerbungsgespräch aufgeregt und nur den wenigsten ist während des Gesprächs zum Lächeln zumute. Unsere Psyche hat “eingebaute” Antennen, die nicht nur die Signale empfangen, die für uns positiv sind, sondern auch widersprüchliche Signale, die wir oft in der Aufregung nicht verstehen oder verdrängen. Sobald man zum Lächeln gezwungen wird, trauert unsere Psyche, weil dieses Lächeln nicht mit der eigentlichen Gefühlswelt übereinstimmt. Was folgt ist Stress, der sich in Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Depressionen bemerkbar macht.

Dauerlächeln

Gespielte Freundlichkeit und ein Dauerlächeln kommen bei anderen Menschen in der Regel nicht gut an. Doch sie sind nicht wirklich verwerflich, denn wenn während der Arbeit jeder Mitarbeiter seinen tatsächlichen Emotionen freien Lauf ließe, entstünde ein Chaos. Auch ist es im zwischenmenschlichen Bereich oft nicht möglich, seine Zuneigung oder Abneigung offen zu zeigen. Besonders im Berufsleben ist ein gespieltes Lächeln oft ein Weg, um Diskussionen über die eigene Person aus dem Weg zu gehen. Der Betroffene lächelt und zeigt damit eher ein emotional-soziales intelligentes Verhalten. Wissenschaftliche sind in einem Punkt einig: Höflichkeit und ein einstudiertes Lächeln ist die einzig annehmbare Art der Heuchelei. Allerdings, wer seine Kunden nicht nur anlächelt, sondern ein Lächeln präsentiert, das von Herzen kommt, ist in jedem Fall der Gewinner.