Lebenslanges Lernen – Fluch oder Segen?


In einigen Ländern wird die gesetzliche Verankerung von Bildungsurlaub diskutiert, in anderen Nationen ist sie bereits Realität. Doch eröffnet uns lebenslanges Lernen wirklich wertvolle Möglichkeiten, oder wird es zur belastenden Verpflichtung auf dem Arbeitsmarkt? Quelle Bild: www.bilderbox.com

Nach den großen Wirtschafts- und Finanzkrisen befindet sich der Arbeitsmarkt in Europa im Wandel und immer häufiger wird lebenslanges Lernen zum Zauberwort der Zukunftsplanung. Lebenslanges Lernen beginnt dort, wo der erste Bildungsweg zu einem Abschluss geführt hat und mit einer Weiterbildung, einem Zweitstudium oder anderen Möglichkeiten eine neue Kompetenz erworben wird. Weil lebenslanges Lernen so hoch im Kurs steht, gibt es unzählige Fern- und Abendschulen, Weiterbildungen und Fortbildungen, Coachings und Kurse, die Arbeitnehmer fit für den Arbeitsmarkt machen sollen. Immer neue Aufgabenbereiche werden erschlossen und das zumeist ganz neben dem eigentlichen Beruf. Wir studieren am Abend, verbringen die Wochenende in Seminaren und pauken im Urlaub für Prüfungen. Kaum ist dann der neue Abschluss erreicht, das Zertifikat ausgehändigt oder das Zeugnis ausgestellt, schon beginnt die Suche nach der nächsten Weiterbildung. Für den Arbeitsmarkt und Arbeitgeber ist das Engagement der Angestellten selbstverständlich von Vorteil, doch wie fühlen sich eigentlich Arbeitnehmer, wenn sie an lebenslanges Lernen denken?

Lebenslanges Lernen und seine psychischen Folgen
Psychologen beschäftigen sich immer wieder damit, welche Folgen lebenslanges Lernen haben kann und dabei sind sie selbst davon betroffen. Erst in diesem Jahr hat der Fachverband der Psychologen ein neues Regelwerk zur Weiterbildung von Psychologen veröffentlicht. Experten sind sich darüber einig, dass lebenslanges Lernen Möglichkeiten zum beruflichen Aufstieg auf dem Arbeitsmarkt bietet. Allerdings bedeutet lebenslanges Lernen auch, dass viele Menschen ihre Freizeit in erheblichem Umfang zum Lernen nutzen müssen. Der Konkurrenzdruck unter Kollegen wird stetig größer und statt sich über die Chance auf Bildung zu freuen, wird lebenslanges Lernen immer mehr zur Pflicht für Arbeitnehmer. Stress ist häufig die Folge und dieser wiederum kann sich sehr nachteilig auf die Gesundheit auswirken und Erkrankungen wie Depressionen nach sich ziehen.