Migranten leiden häufiger an psychischen Erkrankungen


Mitteleuropäische Länder sind das Ziel vieler Migranten, die ihre Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen. Studien haben gezeigt, dass psychische Erkrankungen in diesem Umfeld weit verbreitet sind, das Hilfsangebot jedoch rar gesät ist. Quelle Bild: www.bilderbox.com

Migranten in Europa
Zum Beispiel in Deutschland hat jeder fünfte Einwohner einen Migrationshintergrund und längst nicht alle Migranten fallen als solche bei Studien auf, denn hier wird häufig nur die Staatsbürgerschaft als Kriterium erfasst. Leben Migranten in der zweiten Generation in Deutschland, dann haben sie einen deutschen Pass und fallen in Studien zur psychischen Gesundheit nicht mehr auf. Die Charité in Berlin hat zu diesem Thema schon im Jahr 2010 eine Studie durchgeführt und dabei die Anfälligkeit für psychische Erkrankungen und speziell suizidale Tendenzen bei Migranten zu ermitteln versucht. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher, denn die Suizidrate war fast doppelt so hoch wie bei Einwohnern ohne Migrationshintergrund und auch andere psychische Erkrankungen traten deutlich häufiger auf, als im Bundesdurchschnitt.


Gründe für psychische Erkrankungen bei Migranten
Neben den bekannten und auch auf die übrige Bevölkerung zutreffenden Ursachen sehen Forscher eine mögliche Ursache für psychische Erkrankungen beim Lebenshintergrund der Migranten. Sie verlassen mehr oder weniger freiwillig ihre Heimat und damit auch ihre Kultur und müssen sich in einem fremden Land zurechtfinden. Integration wird erwartet, stellt sich jedoch häufig schon alleine aufgrund der Sprachbarriere nicht als so einfach heraus, wie anfänglich gedacht. Spezielle Hilfsangebote für Migranten gibt es jedoch kaum. Schon die Sprachkenntnisse können bei einer Psychotherapie zum unüberwindbaren Hindernis werden. Dolmetscher können mit den finanziellen Mitteln, die Krankenkassen bereitstellen, zumindest in der ambulanten Therapie nicht bezahlt werden. Bei stationären Therapien ist das etwas einfacher möglich, allerdings werden diese von Migranten nur sehr selten in Anspruch genommen. Ein Grund dafür ist auch das mangelnde Wissen über Behandlungsmethoden und Hilfsangebote durch den Staat und verschiedene Gesundheitseinrichtungen. Deshalb fordern Forscher eine Aufklärung und Einbeziehung der Migranten in das Gesundheitssystem, um eine bessere Versorgung zu gewährleisten.