Ständiges Nachdenken – Wie kann man das Gedankenkarussell erfolgreich stoppen?


Das Gedankenkarussell macht sich meist abends vor dem Einschlafen bemerkbar. Ständiges Nachdenken kann man bekämpfen, aber nicht mit positivem Denken.

Viele Menschen können nachts nicht einschlafen, weil ihre Gedanken ständig auf Hochtouren arbeiten und immer wieder dasselbe Thema heraufbeschwören. Doch ständiges Nachdenken löst keine Probleme. Psychologen sind der Ansicht: in diesem Fall schafft auch positives Denken keine Abhilfe. Was kann man gegen ständiges Nachdenken unternehmen? (Quelle: www.bilderbox.com)

Ständiges Nachdenken über eine bestimmte Thematik beginnt meist abends, wenn man sich ins Bett begibt. Nicht selten werden Menschen durch ihr Nachdenken mehrere Stunden wachgehalten und eine Antwort auf ihre Frage erhalten sie dennoch nicht. Der Psychotherapeut  Andreas Knuf ist der Ansicht, dass das ständige Nachdenken auf den „Katastrophenverstand“ von uns Menschen zurückzuführen ist. Darunter versteht man die Tatsache, dass der menschliche Verstand bestrebt ist, aus den Erfahrungen in der Vergangenheit zu lernen. Ziel hiervon ist es, bedrohlichen Situationen vorzubeugen. Gleichzeitig neigt der Mensch zu maßlosen Übertreibungen und er liebt nichts mehr als das Drama. Nicht selten sieht der Mensch deshalb Dinge, die ganz anders sind, als sie zu seins scheinen. Viel zu oft wurde der schiefe Blick des Freundes bereits als das Aus der Partnerschaft interpretiert.

Was die Psychologie gegen ständiges Nachdenken empfiehlt

Ständiges Nachdenken ist anstrengend und schädlich. Negative Gedanken lassen nicht nur unangenehme Emotionen zutage treten, sondern auch körperliche Reaktionen, zu denen beispielsweise die Unruhe zählt. Wer dem Gedankenkarussell immer wieder hilflos ausgeliefert ist, sollte damit beginnen, Gedanken als bloße Gedanken – und nicht etwa als verbindliche Wahrheiten – zu erkennen und das Nachdenken über wiederkehrende Thematik nicht ernst nehmen. Des Weiteren sollten sie lernen, bedeutende und unsinnige Gedanken voneinander zu differenzieren. In manchen Situationen kann es durchaus sinnvoll sein, über eine Thematik intensiv nachzudenken, um zu einer effizienten Lösung zu gelangen, in vielen Fällen ist ständiges Nachdenken aber nichts als bloße Zeitverschwendung.

Warum positives Denken nichts gegen ständiges Nachdenken hilft beziehungsweise sogar schädlich ist

Doris Wolf – Psychologin aus Mannheim – empfiehlt das sogenannte gesunde Denken – ein Denken, das für die jeweilige Situation angemessen ist, für den Fall, dass man unter ständigem Nachdenken leidet. Positives Denken dagegen lehnt sie ab, da sie der Ansicht ist, dieses könne den vom ständigen Nachdenken Betroffenen in einen noch schlechteren Gefühlszustand versetzen. Sogar die Entwicklung einer Erkrankung schließt die Psychologin nicht aus. Ratgeberbücher erwecken immer mehr den Anschein, dass man durch positives Denken sämtliche Probleme zum Verschwinden bringen könne. Doch bei derartig unrealistischen Versprechungen ist es sehr wahrscheinlich, dass man scheitert – mit schwerwiegenden Konsequenzen.

Den aktuellen Erkenntnissen der Psychologie zufolge ist es daher nicht zielführend, die Gedanken selbst zu verändern. Vielmehr sollte man den eigenen Umgang mit ihnen einer grundlegenden Veränderung unterziehen. Bekämpfen Sie Ihre Gedanken nicht, sondern nehmen Sie sie zunächst einmal bewusst wahr. Betrachten Sie sie im Anschluss differenziert und gleichen Sie sie mit realen Tatsachen ab. Eine weitverbreitete Angst  von Frauen ist die Furcht, dass sie später einmal in das Altersheim müssen und sie dort niemand besuchen kommen wird. Wenn Sie diese Angst distanziert betrachten, erkennen Sie schnell, dass sie übertrieben ist. Ständiges Nachdenken darüber ist also nicht sinnvoll.