Wie Selbstgespräche motivieren


Wer Selbstgespräche mit sich führt, ist keinesfalls verrückt. Jeder Mensch führt mit sich einsame Monologe – schon seit Kindertagen. Sportpsychologen haben herausgefunden, dass Selbstgespräche sogar motivierend wirken. Quelle Bild: www.bilderbox.com

Ab und an führt jeder Mensch Selbstgespräche, ob unter der Dusche, beim Joggen oder im Stau auf der Autobahn. Schon Kinder führen den ganzen Tag Selbstgespräche, denn sie dienen – auch im Erwachsenenalter – der Selbstreflektion und dem Sortieren der Gedanken. Während Kinder diese Selbstgespräche laut artikulieren, führen Erwachsene ihre inneren Monologe nur noch im Kopf.

Selbstgespräche um Lücken zu füllen

Vor allem Singles und Einzelkinder führen Selbstgespräche, um die Lücke der Einsamkeit zu schließen. Andere Menschen sprechen mit ihren Haustieren oder gehen fiktive Bindungen zu Fernsehcharakteren ein. Das Spannende dabei ist, wie die Psychologin Corinna Reichl vom Universitätsklinikum Heidelberg erklärt, dass während des Selbstgesprächs die gleichen Regionen im Gehirn aktiv sind, wie bei einem tatsächlichen Dialog. Im Fachmagazin “Personality and Individual Differences” erklärt die Psychologin mit ihren Kollegen, dass durch Selbstgespräche das vorübergehende Gefühl von einer Einbindung in eine soziale Interaktion vermittelt wird.

Die dunkle Seite der Selbstgespräche

Auch wenn das Führen von Selbstgesprächen kerngesund ist, können diese in Verbindung mit Einsamkeit häufig auch einen Risikofaktor darstellen. Das heißt, wer einsam ist und viel mit sich allein spricht, kann dadurch möglicherweise das Gefühl der Einsamkeit verstärken. Dies könnte dazu führen, dass das seelische Wohlbefinden des Betroffenen darunter leidet. Darüber hinaus gibt es einige Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie, bei denen ein bestimmtes Ausmaß der vor allem negativ getönten Selbstgespräche, ein wichtiges Krankheitsanzeichen ist.

Selbstgespräche motivieren

In einem angemessenen Rahmen sind Selbstgespräche jedoch unbedenklich, denn sie helfen dabei, sich selbst zu organisieren. Durch die Simulation von sozialen Interaktionen können Szenarien im Kopf durchgespielt, sich an vergangene Unterhaltungen und Abläufe erinnert und sich auf anstehende Gespräche vorbereitet werden. Diese Form wird als “soziale Einschätzung” bezeichnet, zu der u.a. auch die Kritik an der eigenen Person, Anweisungen an sich selbst, was zu tun oder zu sagen ist sowie die Selbstbestärkung der eigenen Person, wenn etwas gut gelungen ist, gezählt werden.

Antonis Hatzigeorgiadis, Nikos Zourbanos, Evangelos Galanis und Yiannis Theodorakis vom
Department of Physical Education and Sport Sciences, University of Thessaly, Trikala, Griechenland, haben die Bedeutung der persönlichen Konversation für den Sport untersucht (“Self-Talk and Sports Performance. A Meta-Analysis”). Durch strategische Selbstmotivation und -instruktion können Sportler ihre Leistung wesentlich verbessern. Wenn sich Sportler gewisse Schlagworte immer wieder selbst sagen, fördern sie dadurch ihre Konzentration und werden selbstsicherer. Sie erlenen neue Fertigkeiten besser, berichtigen Fehler schneller und handeln effektiver als ohne Selbstinstruktion. Durch die Selbstgespräche regulieren sie ihre Gefühle und Gedanken und lernen, mit stressreichen Situationen und mit dem Unerwarteten besser umzugehen.

Die beobachten Effekte lassen sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Durch gezielte Selbstgespräche lässt sich u.a. die Selbstsicherheit steigern, gesundes Verhalten fördern oder Kindern beim Lernen helfen.